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Beziehung zwischen den Arten

Ernährung als Informationsaufnahme - Verwertung der (im weiten Sinne) kognitiven Struktur anderer Lebewesen

Werden die Ideen zum Kapitel "Gehirn" weitergeführt, so ergibt sich auf einer Metaebene für die Ernährung ein anderes Bild: das einer Informationsaufnahme durch Ernährung über den Verdauungsprozess zwischen den einzelnen Arten.
Jede (zum jetzigen Zeitpunkt existierende) Art ist eine erfolgreiche Spezies einer phylogenetischen Entwicklung aus einem ursprünglichen Einzeller. Die hier vorgestellte Hypothese besagt, dass sie (unter anderem) durch Ernährung und die sie beinhaltende Verdauung Informationen über andere erfolgreiche Arten einer anderen Entwicklungslinie erhalten.
Jede Entwicklungslinie lebt einen anderen Aspekt der gleichen Lebenswelt aus, bewertet innerhalb ihres eigenen Organismus die Lebens-Umwelt anders. Jede Art erlebt eigentlich nicht unabhängig, sondern lebt einen Teilaspekt der Ursprungswelt, der biologischen Erde, aus. (Z.B. Tiere mit Fluchtinstinkt, Tiere mit Jagdinstinkt, Pflanzen mit besonderen Schutzmechanismen.) Dabei sind alle Arten aufeinander bezogen im Konkurrenzkampf und Austausch untereinander. Jede Art lebt dabei in ihrer Teil-Erlebenswelt der Gesamtwelt. Von außen betrachtet, ist der Mensch ebenfalls ein Teil dieser Gesamt-(Erd-)Welt. Er agiert nicht objektiv über der Tierwelt erhaben, sondern seine Sinnesorgane sowie seine Innenorgane sind auf die Wahrnehmung der anderen Arten gerichtet. In einem erweiterten Sinne hat somit jede Art ihre spezifische kognitive Struktur.
Jede Art besitzt eigene, artspezifische Algorhythmen, die Umweltvariablen für sich auszuwerten und in die eigene Entwicklung einzubeziehen. Alle zusammen, vom Einzeller bis zum mehrzelligen höheren Organismus ergänzen sich dabei in einem Gesamt-Lebensraum, deren größte Einheit die Erde selbst ist. Möglicherweise, unter Einbeziehung aktueller Forschung über Aminosäuren auf Kometen und der Überlebenskraft bestimmter Einzeller, gibt es mit dem Universum eine noch größere Einheit auf der Metaebene.
Die Ernährung funktioniert m.E. in transzendentaler Sicht wie Kommunikation: so wie der Mensch durch kommunikativen Austausch seine Persönlichkeit ausbildet und differenziert, festigt der physische Körper durch die Ernährung seine artspezifische Struktur. In jeder Nahrung sind demnach nicht nur Aufbaustoffe oder Energie, sondern auch artspezifische Informationen, die kognitive Struktur, enthalten. Dabei steht jede Art in einem bestimmten Nähe-Distanz-Verhältnis zu den anderen Arten.
Die Tatsache, dass jedes größere mehrzellige Individuum eine unübersichtliche und enorme Vielfalt von Einzellern beherbergt, wirft hier besondere Fragen auf: Werden die Mikroorganismen durch die Nahrungsaufnahme zerstört oder sind sie danach ganz oder in Teilen, bzw. deren Informationen, noch erhalten? Wenn ja, findet ein Integrationsprozess statt?


Das obige lässt sich ebenfalls enaktiv beschreiben:

Stabilisierung der individuellen kognitiven Inszenierung durch Einbeziehung der viszeralen Information über andere kognitive Strukturen der Biospäre

Für VARELA et al (1995, S. 27) gibt es unterschiedliche Erfahrungswelten, abhängig von der Struktur der einzelnen Lebewesen. Die Inszenierung als "verkörperte Kognition" (S. 205), in erster Linie auf den Menschen bezogen, ist innerhalb der Spezies verschieden, so dass eine evolutionäre Artenvielfalt ein Streben nach einer Vielfalt an Erfahrungswelten innerhalb der Biospäre bedeutet.
Angesichts der Tatsache, dass jedes Lebewesen einen Großteil seiner Zeit mit Verdauungsvorgängen betreibt, die sich in der Regel auf eine differenzierte Auswahl an anderen Spezies der Biosphäre bezieht, kann kein (höheres) Lebewesen ohne artfremde Spezies auskommen. Neben physischen Stoffen oder etwa "Energie" ist es eben ein Informationsaustausch der eigenen Kognitionsstruktur in Zusammenhang mit anderen Strukturen. Vordergründig nur in einer Richtung (ein Lebewesen nimmt auf, das andere wird aufgenommen), aber in der Gesamtheit dieser Vorgänge innerhalb der Biosphäre sind alle Lebewesen betroffen; im Ergebnis wird die eigene Struktur individuell gestärkt.


Ernährung als Bezugspunkt auf einer Nähe/Distanz-Skala

Nahrung kann differenziert betrachtet werden. Sie ist zunächst einmal differenzierbar hinsichtlich der Quantität der optimal aufgenommenen Menge. Es gibt Nahrung, die kann täglich in größerer Menge verzehrt werden, Nahrung, die gelegentlich verspeist wird sowie, am anderen Ende, Substanzen, die nur in geringsten Mengen (homöopathisch) eine wohltuende Entfaltung bewirken. Homöopathie wäre nach der hier vorgestellten Hypothese ein Spezialfall der Ernährung.
Mit Nahrung und Substanzen sind hier die der Ernährung zugrundeliegenden Arten in einem ganzheitlichen Aspekt gemeint, z.B. (in der obigen Reihenfolge nach Mengenverträglichkeit) Weizen, Kresse, Tollkirsche.
Sicher hat jeder Mensch ein individuelles optimales Ernährungsmuster je nach Konstitution und dem Kontext der Umweltbedingungen, darin eingeschlossen Phasen der Krankheit und Genesung. Jedes Tier hat aber auch ein weitgehend artspezifisches Ernährungsmuster, im übertragenen Sinn ebenfalls Pflanzen und auch andere Lebensformen.

Interessant fände ich, die Arten anhand der Ernährungsmuster mittels statistischem Verfahren in einem Nähe-Distanz-Verhältnis in Beziehung zu setzen. Jede entstehende Graphik würde verdeutlichen, dass jede Art in der Gesamt-"Welt" einen bestimmten, austarierten Platz hat. Jede Entfernung vom ursprünglichen, optimalen Platz (z.B. durch Züchtung, genetische Veränderungen) setzt zusätzliche Arbeit bzw. Energieeinsatz voraus, je weiter vom artspezifischen lokalisierten Platz entfernt.


Intraindividuelle versus interindividuelle Intelligenz

Hier soll am Beispiel der Intelligenz die Relativität der Betrachtungsweise des Individuums herausgestellt werden. In traditioneller, nicht-reflektiver Wissenschaft neigt der Betrachter aus seiner eigenen artspezifischen Position heraus zu einer Attribuierung von Intelligenz als Erhöhung seiner eigenen artspezifischen, vor allem kognitiven, singulären Leistungen.
Intraindividuelle Intelligenz bezieht sich auf die Intelligenz des einzelnen Individuums, definiert oft in absolutem oder relativem Hirngewicht im Verhältnis zum Gesamtgewicht. Interindividuelle Intelligenz meint hier die Fähigkeit, auffällige Mehrleistungen in einer Gruppe mehrerer Individuen der gleichen Spezies im Sinne einer Kumulation zu erreichen.
Werden beide Arten von Intelligenz in einer Grafik gegenüber gestellt, fällt auf, dass es am einen Pol Tiere gibt mit hoher intraindividueller Intelligenz, die diese aber nur für sich nutzen können, Gelerntes nur rudimentär an andere Mitglieder derselben Art weitergeben können, in der Regel über den Instinkt. Am anderen Pol befinden sich Tiere (wie z.B. Ameisen und Bienen), die als Gruppe besondere Leistungen vollbringen, als Individuum alleine kaum überlebensfähig sind. Die im Vergleich zum anderen Pol als Gruppe wie ein Einzelindividuum agieren.
Der Mensch fällt in dieser Grafik auf, weil er die einzige Spezies ist, die an beiden Ästen der Skala gut ist und kulturelle Errungenschaften aufbauend kumuliert.
STARZAK (2015) z.B. nennt das "kumulative kulturelle Evolution" und sieht dessen Entstehung in einem " .... Kreislauf von Innovation und Standardisierung" (S. 161).

Trotzdem befindet sich der Mensch nicht am optimalsten Endpunkt dieser Skala: die fiktive größtmögliche intraindividuelle Intelligenz kann nur erreicht werden durch eine permanente Selbstkontrolle hinsichtlich der Nutzung optimaler förderlicher Lebensweisen - d.h. eine gesundheitsbewusste, trainierende Lebensweise ; die größtmögliche interindividuelle Intelligenz durch die Förderung sämtlicher Individuen durch die Gemeinschaft - d.h. keine Kriege, es gibt keine Menschen (Flüchtlinge), für die es keinen gesellschaftlichen Platz in einer Gemeinschaft gibt, weil letztlich die Erfahrung sämtlicher Einzel-Individuen die maximale Kumulierung kultureller Errungenschaften bedeutet.
Eine totalitäre Staatsform entspräche einer Regierungsart, die die Kraft des Einzelnen unterdrückt, damit aber auf Dauer keiner Staatsform, die sowohl auf die Entfaltung des Individuums als auch die Kreativität der Gemeinschaft setzt. Ebenfalls weniger erfolgreich dürfte der Gegenpol, ein für die Gesamtgesellschaft destruktiver Individualismus sein. Am erfolgreichsten ist somit eine Staatsform, die sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft fördert.

Es soll hier daher die Vermutung aufgestellt werden, dass die menschliche evolutionäre Entwicklung in Richtung ganzheitlicher Entfaltung des Individuums bei gleichzeitiger totaler Einbeziehung aller individueller Erfahrung in eine als Ganzes agierende Gemeinschaft geht. Das heißt: die Erfahrung jedes einzelnen Individuums unter größtmöglicher interindividueller Varianz bedeutet die optimale Entwicklung für die Gesamtheit.

Relative Intelligenz der Arten

Intelligenz als willkürliches Konstrukt lässt sich auch beschreiben im Grad der Fähigkeit, sich als Art im Gefüge des Gesamtsystems aller Spezies im Umweltraum (Biosphäre der Erde) zu behaupten. In solch einer Skala tendieren sämtliche Arten, einschließlich des Menschen, mittelfristig wahrscheinlich mit einer bestimmten Varianz um den gleichen Wert (z.B. 100), da sich sämtliche Lebewesen in einem austarierten "geben und nehmen"- Verhältnis, (d.h. Nahrungserwerb versus Vermeidung, selbst zur Nahrung zu werden) untereinander befinden, die immerhin aus phylogenetischer Entwicklung heraus zum jetzigen Zeitpunkt existieren.

Der Mensch nimmt in dieser Betrachtungsweise keine Sonderstellung ein: die kognitiven Fähigkeiten stellen lediglich eine artspezifische Besonderheit in der Interaktion mit den anderen Arten als eine "Nischenfähigkeit" dar, genauso wie viele Tiere Besonderheiten in der Phylogenese entwickelt haben. Mentale Kognitionen sind im Sinne der Arterhaltung nicht per se anderen phylogenetischen Besonderheiten überlegen, schon gar nicht, wenn es aus der Position der Spezies heraus attribuiert wird, die es besitzt. Diese egozentrische Sichtweise ist vermutlich sämtlichen Tieren auf unbewusste Weise zu eigen, so dass der Mensch hier keine Sonderstellung mit seiner Kognitionsfähigkeit einnimmt. Die Vorteile der menschlichen Kognition werden durch die Zerstörung des eigenen Lebensraums sowie durch kriegerische Auseinandersetzungen wieder "ausgeglichen", wobei insgesamt der Mensch als Spezies unter seiner theoretisch möglichen kognitiven Leistungsfähigkeit bleibt und infolgedessen eher unter der durchschnittlichen Intelligenz aller Arten einzuordnen ist, da ein (niederes) Tier immer entsprechend seiner vorgegebenen Möglichkeiten handelt.

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